Jacob Reckless hat einen Fehler gemacht, nach all den Jahren der Vorsicht: Sein Bruder Will ist ihm hinter den Spiegel gefolgt. In eine Welt, in der die dunkelsten Märchen wahr sind und der Fluch einer Fee steinernes Fleisch sät. Viele Jahre lang hat diese Welt für Jacob Zuflucht und Zuhause bedeutet, und er hat als Schatzjäger für Kaiser und Könige die magischen Dinge gesucht, die sich in ihren Wäldern und Hügeln verbergen. Aber als Wills Haut sich in Jade verwandelt, muss Jacob nur noch eines finden: die Medizin, die seinen Bruder rettet.
Als ich zu Reckless gegriffen habe, waren meine Erwartungen nicht besonders hoch - ich hatte eigentlich einen schlechten Abklatsch der Tintenwelt erwartet, und obwohl es viele Parallelen gab, hat mir das Buch richtig gut gefallen. Funkes Stil ist wie erhofft nahezu perfekt, ihre Worte verzaubern in jedem einzelnen Satz. Hinzu kommt, dass die Geschichte wundervoll ist.
Wie wahrscheinlich jeder habe ich in meiner Kindheit viele Märchen vorgelesen bekommen - hauptsächlich die der Brüder Grimm. In Reckless werden viele ihrer Figuren oder Zaubergegenstände erwähnt, was mich in eine Art Kindheitstraum zurückgeworfen hat - hier eine goldene Haarsträhne von Rapunzel, dort das Tischlein Deck Dich des ältesten Bauernbruders. Das ist vielleicht der Teil der Geschichte, der mir mit am meisten gefallen hat - diese traumhafte Verknüpfung und "Wiederbelebung" alter Kindheitserinnerungen.
Was auch sehr märchenartig ist, mich aber teilweise gestört hat, ist die Einfachheit der Handlung. Meistens läuft eine Konfrontation folgendermaßen ab: Gefahr - Kampf - Sieg. Und dabei bleibt es dann auch. So war oft vorherzusehen, dass diese oder jene Fantasiegestalt schnell beseitigt sein würde, das Ende war genauso leicht vorherzusehen. Auch, wenn das zu Buch und Stil passen mag, ist mir das doch teilweise etwas gegen den Strich gegangen.
Kurzgesagt ist Reckless ein wundervolles Märchen, dass trotz weniger Überraschungen wunderschön bleibt - bis zur letzten Seite. 8 Triads dafür.


