Extrem Laut Und Unglaublich Nah.

Mittwoch, Juni 13

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Ein tolles Spiel, das ich mit Dad an manchen Sonntagen spielte, war die Aufklärungs-Expedition. [...] Für unsere letzte Expedition, die wir nicht mehr zu Ende führen konnten, gab er mir eine Karte vom Central Park. Ich sagte: "Und?" Und er sagte: "Und was?" Ich sagte: "Bekomme ich denn keine Hinweise?" Er sagte: "Wo steht geschrieben, dass man immer Hinweise bekommen muss?" "Es gibt immer Hinweise." "Für sich genommen, besagen Hinweise gar nichts." "Gar keine Hinweise?" Er sagte: "Außer, dass fehlende Hinweise auch schon ein Hinweis sein könnten." "Kein Hinweis soll ein Hinweis sein?" Er zuckte mit den Schultern, als hätte er keine Ahnung, was ich meinte. Das fand ich super.

Oskar Schell ist altklug und naseweis, hochbegabt und phantasievoll. Eine kleine Nervensäge, die mit neun Jahren eine Visitenkarte vorweist, auf der er sich als Erfinder, Schmuckdesigner und Tamburinspieler ausweist. Vor allem aber ist Oskar todtraurig und tief verstört. Nachdem sein Vater bei dem Angriff auf das World Trade Center ums Leben kam, will er herausfinden, warum Thomas Schell sich ausgerechnet an diesem Tag dort aufhielt. Mit seinem Tamburin zieht Oskar durch New York und gerät in aberwitzige Abenteuer.

(Zitate: Seite 20 und Klappentext | Cover: goodreads.com)

Vor wenigen Minuten habe ich es endlich geschafft, Extrem laut und unglaublich nah zu beenden. Beinahe zwei Wochen bin ich zusammen mit Oskar Schell durch New York gewandert, auf der Suche, nach dem Schloss, zu dem sein Schlüssel passt. Es dauerte nicht etwa so lange, weil mir diese Reise nicht gefiel, vielmehr bedrückte sie mich und berührte mich zuweilen auf eine Art und Weise, die mich beunruhigte.

Oskar ist völlig verstört, nachdem sein Vater bei den Anschlägen vom 11. September ums Leben gekommen ist. Vor dessen Tod hatte Thomas Schell noch mehrere Male zu Hause angerufen und Nachrichten auf der Mailbox hinterlassen, die Oskar seiner Mutter verschweigt und die dem Leser auch erst im Laufe der Geschichte nach und nach preisgegeben werden. Alleine diese kurzen Mitteilungen, die meist nur aus wenigen Sätzen bestehen, haben mich so tief getroffen, dass ich zum Teil nicht in der Lage war, weiter zu lesen. Überhaupt tritt genau dieser Zustand des Öfteren auf - es geschehen Dinge, die nicht nichts sind, über die man nicht einfach hinweglesen kann und über die auf jeden Fall nach Beendigung des Romans kurz reflektiert werden sollte.

Neben Oskars Geschichte wird außerdem die, seiner Großeltern erzählt, die sich sowohl in den 40ern in Dresden, als auch später in Amerika abspielt. Immer wieder werden in kurzen Rückblicken oder Briefen Momente aus ihrem Leben eingeschoben, die zeigen, mit welchen Problemen ebendiese zu kämpfen hatten. Sein Großvater, der nach einem Trauma verstummte, füllt seither leere Tagebücher, über die er mit seiner Außenwelt kommuniziert. Die Erlebnisse der Schell-Großeltern wurden von Jonathan Foer so gut in das Gesamtbild eingearbeitet, das sie mir beinahe besser gefallen haben, als die Haupthandlung um Oskar - beinahe.

Foer bevölkert sein Buch mit vielschichtigen, skurrilen Figuren, mit denen es zu Beginn alles andere als leicht ist. Alleine Oskar denkt und agiert auf eine Art und Weise, die für einen neunjährigen sehr ungewöhnlich ist. Durch seine unerschütterliche Neugier und Intelligenz wird er aber schnell sympathisch.

Extrem laut und unglaublich nah ist voll von layouttechnischen Eigenheiten, die das Buch zu einem einzigartigen Genuss machen. Bilder, Grafiken, leere Seiten, unlesbare Worte, Zahlencodes und ein Daumenkino, das die letzten Seiten füllt. Oft zeigen die Fotos die Orte, Personen und Dinge, mit denen Oskar in diesem Moment konfrontiert wird. Nie unpassend und immer ein Stück weiter führend ist das meiner Meinung nach eine geniale Idee des Autors, um den Leser noch ein Stück weiter in die Geschichte hineinzuziehen.

Alles in allem lässt sich sagen, dass es sich um ein Buch handelt, mit dem ich nicht gut klar gekommen bin. Gut ist es, keine Frage, aber einfach? Nein. Schwer getan habe ich mich auch damit, mir Worte dazu abzuringen, um diese Rezension zu füllen. Vielleicht sollte ich ein, zwei Tage warten, bis ich mit etwas Abstand auf dieses Buch zurück blicken kann, aber nun gut. Ich vergebe Extrem laut und unglaublich nah acht Triads.

1 Heart(s):

moe hat gesagt…

gefällt mir:)
schau doch mal bei mir vorbei, da läuft ein Gewinnspiel:
http://moes-m.blogspot.de/2012/05/gewinnspielgiveaway.html

Moe:)

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