Rubinrot.

Montag, Juni 11

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Ich hätte besser nicht nur den Regenmantel, sondern auch Gummistiefel angezogen. Mein Lieblings-Magnolienbaum an der Ecke ließ traurig seine Blüten hängen. Bevor ich ihn erreicht hatte, war ich schon dreimal in eine Pfütze getreten. Als ich gerade eine vierte umgehen wollte, riss es mich vollkommen ohne Vorwarnung von den Beinen. Mein Magen fuhr Achterbahn und die Straßen verschwammen vor meinen Augen zu einem grauen Fluss.

Was macht man, wenn man sich in der Vergangenheit wiederfindet, mit nichts als dem Wissen ausgestattet, dass das Pferd seines Urururururgroßvaters Fat Annie hieß? Richtig, man bewahrt Ruhe. Das zumindest versucht Gwendolyn, als sie erfährt, dass sie nicht nur das Zeitreise-Gen ihrer Familie geerbt hat, sondern auch noch dazu auserwählt ist, die Vergangenheit in Ordnung zu bringen. Und ausgerechnet der arrogante Gideon soll sie dabei begleiten! Eher notgedrungen macht sich das ungleiche Paar auf in ein Abenteuer der besonderen Art.

(Zitate: Seite 46 und Klappentext | Cover: goodreads.com)

Wieder einmal eine Jugendbuch-Reihe, die an allen Ecken gehyped wird und von der ich mir schon nicht mal mehr erwartet habe, dass sie mir in irgendeiner Form gefällt. Die Idee des Zeitreise-Gens hat mich dann aber so sehr fasziniert, dass ich mich schließlich doch dazu entschieden habe, es einmal mit Rubinrot zu versuchen.

Mal ganz abgesehen davon, dass sowohl das Cover als auch der Untertitel eine kitschige Katastrophe sind, empfand ich schon den Prolog als eher wenig sympathisch. Zu sehr auf geheimnisvoll und dramatisch getrimmt. Schon nach wenigen Seiten war mir dann klar, dass mir auch die Protagonistin wenig zusagte - Gwendolyn, wenn auch 16 Jahre alt, benimmt sich wie eine 13-jährige, ihre beste Freundin Leslie und ihre Cousine Charlotte ebenfalls. Dabei wird vor allem die Cousine immer als sehr erwachsene Person angepriesen. Na ja ...

Von Gwendolyns Einfältigkeit will ich gar nicht erst beginnen - okay, wenn man nicht weiß, dass das ehemalige Transilwanien heute in Rumänien liegt, ist das noch zu verschmerzen, aber wenn man nicht einmal sagen kann, welche Staatsformen in den verschiedenen EU-Ländern vorzufinden sind, sollte man sich doch echt Sorgen machen. Das hat sich durch den gesamten Roman gezogen - Gwendolyn weiß dies nicht, Gwendolyn kann das nicht, Gwendolyn braucht bei den simpelsten Dingen Hilfe und ist völlig unselbstständig. Das, das ganze auch noch niedlich und sympathisch wirken sollte ist völlig an mir vorbeigegangen.

Allerdings möchte ich nicht den Eindruck erwecken, dass mich das Buch völlig gelangweilt hat - es hat mich unterhalten - mehr aber auch nicht. Mit seinen langweiligen und eindimensionalen Charakteren gibt es einfach nichts, was mich begeistern könnte - einzig die Grundidee, aber zu der ganzen Geschichte mit den Zeitreisen wurde erstaunlich wenig beschrieben. Den Großteil hätte ich mir selbst zusammen reimen können und der Rest wirkte eher wie gewollt geheimnisvolle Halbwahrheiten. Insgesamt schienen mir die 343 Seiten eher wie ein überlanger Vorspann, bevor die Geschichte eigentlich erst wirklich los geht. Denn auch zwischendurch kamen immer wieder Szenen, die eher so wirkten, als müsste das Buch unbedingt eine Mindestseitenanzahl erreichen.

Und natürlich ist da noch die ach so unglaubliche Liebe zwischen den beiden Protagonisten Gideon und Gwendolyn - was sind das eigentlich für Namen?! Vorher noch völlig in die so perfekte Cousine Charlotte verliebt, verwandelt sich das Biest Gideon natürlich innerhalb kürzester Zeit in Gwendolyns Traumprinzen. Und wie könnte es auch anders sein, vergisst er Charlotte über seine so starken Gefühle für Gwendolyn und will unbedingt zusammen mit ihr die "Welt retten". Ja klar! Wirkte eher, als würde die Autorin einfach nicht in der Lage sein, eine authentische Liebe zu beschreiben ...

Alles in allem ist Rubinrot eine nette Unterhaltung für zwischendurch, die aber mit platter Handlung und eindimensionalen Charakteren nicht viel mehr zu bieten hat als ein kleines Schmunzeln hier und da. Einzig der Epilog hat es geschafft, mich dazu zu motivieren, vielleicht doch den Nachfolger zu lesen. Hierfür vergebe ich vier Triads.

3 Heart(s):

Egoliquida hat gesagt…

Hallo, ich fand den ersten Band noch ganz gut.:)
Der zweite war für mich der langweiligste Band, aber die letzten 200 Seiten vom dritten Buch sind richtig, richtig gut.
Insgesamt fand ich es schade, dass eine so originelle Idee durch solch oberflächliche Charaktere und "Humor" verwässert wurde.

tintenmeer hat gesagt…

Oh eine geradezu tödliche Kritik ^.~
Ich kann mich kaum noch daran erinnern, weil ich das Buch vor fast 3 Jahren gelesen habe. Ich weiß aber noch, dass ich es sehr witzig fand. Man darf es einfach nicht zu ernst nehmen, dann kann man sich noch davon unterhalten lassen.

Liebe Grüße
Sandy =)

P.S. Wobei du recht hast: Gwen ist strange ...

coffeebar hat gesagt…

also ich war eher positiv überrascht von den büchern. sie ließen sich gut & schnell lesen & gwendolyn war mal ein hauptcharakter, der mich nicht so sehr genervt hat, wie vielleicht in manch anderem jugendbuch. ich fand es auch eher witzig & insgesamt eine ganz süße geschichte. :)

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